Tattoo You
(1981)
Eine Tour steht an,
dazu muß
eine LP auf den Markt und die Stones lassen bisher übrig
gebliebene
Stücke zusammenmischen. Nicht nur, daß Tattoo You auch
kommerziell
mehr als erfolgreich war - die Platte sticht qualitativ aus den 80er
LPs
hervor - und dies bezeichnenderweise, obwohl hier weniger die Band, als
vielmehr die Produzenten kreativ waren.
Der Super-Hit Start
Me Up
war ursprünglich früher bereits als Reggae komponiert &
konzipiert
- zum Glück hat man sich besonnen: Ich möchte mir den Song
heute
jedenfalls nicht ohne Keith-Riff-Hards Powerchords vorstellen! Noch
1995
konnte man diese berühmten drei Akkorde an Bill Gates
verhökern,
der damit die Werbeclips für Windows95 aufpeppte.
Während Mick
nach wie vor
am Michael Jackson-Gesang Gefallen findet, krächzt Keith in alter
Manier auf Little T&A. Die zweite Hälfte des Albums wird von
zum
Teil wirklich guten Balladen bestimmt, so etwa No Use In Crying,
Waiting
On A Friend oder Tops mit Mick Jaggers Rezept für kleine,
karrieregeile
Mädels: "...Come on, I'll make You a star... I take You to the top
Baby..."
Bewertung:
    
Undercover
(1983)
Eine textlich teils
richtiggehend
brutale Scheibe, in der Folter, Mord und Totschlag mit Blick auf
Dikaturen
in Südamerika und den Kalten Krieg thematisiert werden (Undercover
Of The Night, Too Much Blood, It Must Be Hell). Musikalisch wird die
angesprochene
Gewalt noch durch zahlreiche Verzerr- und Halleffekte unterstützt,
die der Platte einen etwas eigentümlichen Klang geben. Die dazu
gedrehten
Video-Clips werden von einigen Anstalten mit Sendeverbot belegt.
Neben Keith' Wanna
Hold You (keine
Ballade!) rockt auch She Was Hot noch in alter Stones-Tradition ab.
Bewertung:
     
Dirty Work
(1986)
Vor allem diese
Platte hat unter
dem Zerwürfnis zwischen Mick und Keith zu leiden. Jagger promotete
lieber seine Solo-Scheiben und Keith saß mit einer Horde
Gastmusiker
- selbst der gute Charlie mußte wegen Heroin-Problemen (!) Pausen
einlegen - im Studio und produzierte eine Scheibe, die teils eher wie
ein
unfertiges Demo-Band klingt.
Der 'sechste Stone',
ihr Roadmanager
wie auch Tour- und Studio-Pianist Ian 'Stu' Steward, der zuvor oft
ausgleichend
zwischen Jagger / Richards zu vermitteln vermochte, war 1985
überraschend
an einer Herzattacke gestorben. Als Erinnerung an ihn endet die Platte
mit einer seiner kurzen Einlagen am Boogie-Piano.
Die Single Harlem
Shuffle ist bezeichnenderweise
ein Cover-Stück aus den 60ern und die Gitarrenparts in One Hit (To
The Body) übernahm weitgehend Led Zeppelin's Jimmy Page. Zielte
Keith
zunächst nur textlich auf Mick (Had It With You), so mußte
man
im Video zu One Hit schon fast Angst um letzteren haben, da Richards
hier
mit Cowboystiefeln und Gitarre bewaffnet seine Aggressionen gegen den
'Solo-Künstler'
Jagger rauslassen durfte: Keith war stinkesauer, da Jagger nicht mit
den
Stones auf Tournee gehen wollte und zu allem Überfluß
seinerzeit
auch noch geäußert hatte, die Band sei ihm "ein Stein am
Hals".
Keith' Sleep Tonight,
die wunderschöne
abschließende Ballade sollte gleichsam den Abschied von den
Rolling Stones für mehr als drei Jahre darstellten.
Bewertung:
     
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